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Wiedereintritt in den Kindergarten erleichtern

Ein Junge hat trotz glücklichen Schnupperwochen nach den Ferien plötzlich Mühe, in den Kindergarten zu gehen. Nach einer Pause soll ein nächster Versuch gewagt werden: Wo steht der Junge und wie können Lehrpersonen und Mitschüler*innen ihn inspirieren, zurückzukehren?

Foto: Jordan Whitt, Unsplash


Ein Junge im Kindergartenalter schnupperte einige Wochen an einer kleinen Privatschule und es gefiel ihm sehr. Nach den Sommerferien jedoch, beim offiziellen Schulstart, hatte beim (Wieder-)Eintritt grosse Mühe. Jemand von den Eltern musste die ganze Zeit dabei sein – wenn auch nur im Raum nebenan –, was sie einige Zeit auch taten. Nach ein paar Wochen musste der Junge sich dann entscheiden, ob er ab sofort alleine geht, oder eine Pause einlegen möchte. Er entschied sich für die zweite Option. Nun steht ein Gespräch an, wo ein weiterer Versuch gewagt wird: Wo steht der Junge mittlerweile und wann soll der nächste Schritt gewagt werden, in die Schule einzutreten?

Input 1:

Gespräch mit dem Jungen


Was steckt hinter der Verweigerung, in den Kindergarten zu kommen: Unsicherheiten, Ängste, Überforderungen, Bedürfnisse? Welche Rolle spielt die neue Familiensituation (er hat kürzlich ein Geschwisterchen bekommen), welche die Schule, die Gruppe, Mitschüler*innen? Mögliche Fragen zum Erforschen gemeinsam mit dem Kind (und den Eltern):

  • Fühlst du dich wohl, wenn du in der Schule bist? Warum ja, warum nein?

  • Was kannst du richtig gut? Was möchtest du noch lernen?

  • Wie geht es dir mit den anderen Kindern? Was findest du speziell schön, was eher schwierig? Mit wem bist du gerne zusammen? Wie können dir die Kinder dabei helfen, dass du gerne in die Schule gehst?

  • Was machst du besonders gern? Was würdest du gerne noch mehr oder anders machen?

  • Was fehlt dir, wenn du in der Schule bist?

  • Was würde dir helfen, dass du dich wohl fühlst in der Schule?

Input 2:

Gespräch mit den anderen Kindern


Im Sinne einer Dialogkultur und um die Kinder zu Sparring-Partnern zu machen (“Ihr seid wichtig und Teil dieses Teams!”) sowie eine Gruppenkultur zu leben, würden wir empfehlen, auch bei ihnen Unterstützung suchen. Einerseits in Einzelgesprächen, andererseits mit der ganzen Gruppe. Ziel soll auch sein, den Jungen in der Gruppe “präsent” zu haben, dass er nicht einfach vergessen geht, weil er schon lange nicht mehr da war.


Einzelgespräche: Die Möglichkeit suchen, die Kinder einzeln und informell zu dem Jungen und deren Beziehung zu ihm zu thematisieren. So bleibt er einerseits (zumindest im Gespräch und in Gedanken) Teil der Gruppe, andererseits können vielleicht mögliche Konflikte oder Beziehungsdynamiken zwischen ihm und einzelnen Kindern oder der Gruppe ermittelt werden. Mögliche Fragen:

  • Hast du dieses Spiel nicht jeweils auch mit dem Jungen gespielt?

  • Was machst du besonders gerne mit ihm?

  • Was kann er besonders gut?

  • Vermisst du ihn? Warum ja, warum nein?

  • Wie können wir ihm helfen, dass es einfacher für ihn ist, zu uns zurückzukommen?

Gruppengespräch: Da gibt es natürlich auch gewisse Risiken (was, wenn es einigen Kindern egal ist, dass der Junge nicht mehr da ist? Wenn gewisse Beziehungen schwierig sind und der Wille nicht da ist, ihn wirklich zurück in die Gruppe zu gewinnen?). Die Überlegung ist, dass zuerst die informellen Einzelgespräche durchgeführt werden und so ermittelt wird, wie stark der Junge Teil der Gruppe ist und wie gross die Motivation ist, ihn zum Zurückkommen zu inspirieren. Das ermöglicht es, gut vorbereitet in ein Gruppengespräch zu gehen und die Eskalationsgefahr zu reduzieren. Für ein Gruppengespräch mit allen Schüler*innen könnten wir uns folgende Fragen vorstellen:

  • Hattet ihr auch schon mal Heimweh, als ihr weit weg von zu Hause wart?

  • Was hilft euch, wenn ihr Heimweh habt?

  • Was ist besonders lässig bei uns an der Schule? Was hat unser Mitschüler gerne mit uns gemacht?

  • Was kann er besonders gut und was machen wir gerne mit ihm?

  • Was kann man den machen, wenn sich ein Kind nicht so wohl fühlt oder es ihm nicht gut geht?

  • Wie können wir ihn inspirieren, wieder bei uns zu sein?

Input 3:

Konkrete Aktivitäten mit den Kindern und dem Jungen

  • Dem Jungen Post schicken von allen: Zeichnungen, Fotos, Briefe. Auf keinen Fall um Druck aufzusetzen, sondern um ihm zu zeigen, dass wir an ihn denken und er zu uns gehört.

  • Wenn er nicht in die Schule kommen möchte, kann die Schule zu ihm kommen? Besuchstag, wir bringen lässige Spiele mit und verbringen einen Schul(vormit)tag bei ihm zu Hause.

  • “Heimweh-Sirup” machen: Wenn er in der Schule ist und Heimweh hat, trinken wir vom Sirup.

  • Können wir gemeinsam, für die Zeit während der Schule, das Heimweh an einen Platz in der Schule zaubern? Es darf da sein und wird anerkannt, aber bekommt für ein paar Stunden einen anderen Platz, damit der Junge Zeit hat zum Spielen, Lernen und mit den Gspändli zusammen zu sein.

  • Weitere Ideen von den Kindern...

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